Frühstart-Rente mit Sparschwein und wachsendem Vermögen visualisiert

Frühstart-Rente 2026: Beschluss, Regeln und Rechenbeispiele

Der Bundestag hat die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 beschlossen: Das Frühstartrentengesetz passierte das Parlament in der vom Finanzausschuss geänderten Fassung. Dafür stimmten CDU/CSU und SPD, Grüne und Linke stimmten dagegen, die AfD enthielt sich. Geltendes Recht wird das Vorhaben erst mit der Zustimmung des Bundesrates. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, die Förderung rückwirkend ab 2026 greifen.

Vorgesehen ist eine staatliche Prämie von 10 Euro pro Monat für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr, angelegt in einem kapitalgedeckten Altersvorsorgedepot. Über zwölf Jahre summiert sich die Grundförderung auf 1.440 Euro. Nach der Rechnung des Bundesfinanzministeriums entsteht daraus bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro, aus dem bis zum Renteneintritt ohne weitere Einzahlungen etwa 53.000 Euro werden können. Vor der Abstimmung hat der Finanzausschuss den Entwurf nachgeschärft: Die kollektive Anlage fließt ausschließlich in breit gestreute globale Aktien, und das Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten gilt bis zur Auszahlungsphase, allerdings nur für den Teil aus der staatlichen Prämie. Dieser Beitrag ordnet den Verfahrensstand, die Anspruchsvoraussetzungen und die Rechengrößen ein.

📌 Das Wichtigste in Kürze

  • •Der Bundestag hat die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 beschlossen, der Bundesrat muss noch zustimmen.
  • •Der Bund zahlt 10 Euro monatlich vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr, insgesamt 1.440 Euro pro Kind.
  • •Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, gefördert wird rückwirkend ab 2026 beginnend mit Geburtsjahrgang 2020.
  • •Eröffnen Eltern kein Depot, legt die Deutsche Bundesbank die Mittel kollektiv und global diversifiziert an – abrufbar bis zum 35. Geburtstag.
  • •Eine Auszahlung ist erst ab Vollendung des 65. Lebensjahres möglich, Eigenbeiträge sind bis 6.840 Euro jährlich zulässig.
  • •Die kollektive Anlage fließt ausschließlich in globale Aktien, Vertriebskosten auf die Prämie sind bis zur Auszahlung verboten.

Was die Frühstart-Rente ist

Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot für Kinder, in das der Bund monatlich 10 Euro einzahlt. Das Geld fließt nicht auf ein Girokonto, sondern wird am Kapitalmarkt angelegt. Zuständig für die Verwaltung sind private Anbieter – Banken, Versicherer oder andere zertifizierte Institute, die Eltern frei wählen können.

📖

Definition: Frühstart-Rente

Staatliche Prämie von 10 Euro pro Monat, die vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr in ein individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot fließt. Rechtsgrundlage ist das Frühstartrentengesetz (FrühStRG). Der Bundestag hat das Gesetz am 16. Oktober 2026 in der Fassung der Beschlussempfehlung des Finanzausschusses (Drucksache 21/8606) beschlossen, die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus.

Der erklärte Zweck geht über den reinen Vermögensaufbau hinaus. Nach den Worten von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil soll die Vorsorge weniger stark vom Elternhaus abhängen als bisher. Das Modell ergänzt damit die bestehenden Säulen der Altersvorsorge, ersetzt sie aber nicht.

Aktueller Stand der Frühstart-Rente: Bundestag hat beschlossen

Nach dem Kabinettsbeschluss vom 12. August 2026 und der ersten Lesung am 25. September hat der Bundestag die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 in zweiter und dritter Lesung beschlossen. Grundlage war die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses vom 14. Oktober 2026 (Drucksache 21/8606), der am 5. Oktober eine öffentliche Anhörung durchgeführt hatte. Dafür stimmten CDU/CSU und SPD, Grüne und Linke stimmten dagegen, die AfD enthielt sich.

Bis zum geplanten Inkrafttreten am 1. Januar 2027 fehlt noch die Zustimmung des Bundesrates. Das Gesetz ist zustimmungsbedürftig: Es tritt nur in Kraft, wenn die Länderkammer zustimmt; ruft sie den Vermittlungsausschuss an, verschiebt sich der Zeitplan.

🚀 Zeitplan des Gesetzgebungsverfahrens

2025

Ankündigung im Koalitionsvertrag

CDU, CSU und SPD vereinbaren eine staatliche Vorsorgeprämie für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr.

17.12.2025

Kabinett beschließt Eckpunkte

Das Eckpunktepapier legt Prämienhöhe, Förderzeitraum und den Start mit dem Geburtsjahrgang 2020 fest.

21.07.2026

Referentenentwurf des Frühstartrentengesetzes

Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht den Entwurf und startet die Ressortabstimmung.

12.08.2026

Bundeskabinett beschließt den Gesetzentwurf

Der Regierungsentwurf geht in das parlamentarische Verfahren. Neu enthalten sind die kollektive Anlage und ein Kostendeckel.

07.09.2026

Gesetzentwurf als Bundestagsdrucksache

Der Regierungsentwurf wird dem Bundestag als Drucksache 21/7864 zugeleitet.

25.09.2026

Erste Lesung im Bundestag

Nach der Aussprache wird der Entwurf an die Ausschüsse überwiesen, federführend ist der Finanzausschuss.

30.09.2026

Stellungnahme des Bundesrates und Gegenäußerung

Der Bundesrat fordert Änderungen bei Eigenbeiträgen und kollektiver Anlage. Die Bundesregierung stimmt teilweise zu (Drucksache 21/8296).

05.10.2026

Öffentliche Anhörung im Finanzausschuss

Sachverständige aus Finanzwirtschaft, Verbraucherschutz und Wissenschaft bewerten den Entwurf.

16.10.2026

Bundestag beschließt das Gesetz

Annahme in der vom Finanzausschuss geänderten Fassung (Drucksache 21/8606) mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD.

bis Ende 2026

Zustimmung des Bundesrates

Das Gesetz ist zustimmungsbedürftig und wird erst mit dem Votum der Länderkammer verbindlich.

01.01.2027

Geplantes Inkrafttreten

Die Einzahlungen in die Depots beginnen. Der Jahrgang 2020 erhält eine Nachzahlung für die Monate ab 2026.

Was der Finanzausschuss geändert hat

Der Finanzausschuss hat den Regierungsentwurf in mehreren Punkten geändert. Die wichtigste Änderung betrifft die kollektive Anlage: Die Mittel sind ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds anzulegen, damit mit der Anlage keine anderen politischen Ziele verfolgt werden. Außerdem gilt das Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten bis zum Beginn der Auszahlungsphase, allerdings nur für den Vertragsteil, der auf der staatlichen Prämie beruht; auf private Zuzahlungen dürfen Anbieter Kosten erheben.

Neu sind zudem zwei Schutzregeln: Stirbt das Kind vor dem 18. Geburtstag, muss die Prämie nicht zurückgezahlt werden. Und bevor nicht abgerufene Mittel aus der kollektiven Anlage an den Bundeshaushalt zurückfließen, müssen identifizierbare Berechtigte spätestens drei Monate vorher informiert werden. Damit greift der Bundestag einen Teil der Vorschläge des Bundesrates auf. Dessen Forderung, Eigenbeiträge auf einen zweiten Vertrag von der Steuerbegünstigung auszunehmen, findet sich in der Beschlussempfehlung nicht; unverändert bleibt, dass die staatliche Prämie nur in einen Vertrag fließt.

Kritik von Verbänden und Wissenschaft

Auch außerhalb des Parlaments gibt es Kritik. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) kritisiert die Ausgestaltung als beratungsfreies Standardprodukt und fordert, alle Kinder zwischen sechs und 18 Jahren einzubeziehen statt erst ab Jahrgang 2020. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) möchte neben Standarddepots auch individuelle Altersvorsorgedepots zulassen, hält das Verbot von Vertriebskosten für riskant und plädiert für ein offenes Vergabeverfahren statt der Bundesbank als Auffanglösung. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts SAFE hatten bemängelt, dass die Anlagestrategie der kollektiven Lösung erst per Richtlinie festgelegt werden sollte; inzwischen schreibt das Gesetz eine reine Aktienanlage vor. In der Anhörung des Finanzausschusses am 5. Oktober 2026 hielt der Verbraucherzentrale Bundesverband die möglichen Eigenbeiträge von 6.840 Euro jährlich für zu hoch, weil sie Vermögensunterschiede verstärken; die Deutsche Kreditwirtschaft lehnte das Verbot von Vertriebskosten ab.

⚠️

Noch kein geltendes Recht

Sämtliche Zahlen und Regelungen in diesem Beitrag geben die vom Bundestag am 16. Oktober 2026 beschlossene Fassung wieder (Stand: Oktober 2026). In Kraft tritt das Gesetz erst nach Zustimmung des Bundesrates. Ein Altersvorsorgedepot mit staatlicher Prämie lässt sich derzeit nicht eröffnen, da zertifizierte Produkte erst zum Inkrafttreten verfügbar sein werden.

Wer Anspruch auf die Frühstart-Rente für Kinder hat

Anspruchsberechtigt sind Kinder ab Vollendung des sechsten Lebensjahres, die ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben und hier eine Schule oder andere Bildungseinrichtung besuchen. Die Prämie wird für volle Monate gezahlt und endet spätestens mit dem Monat vor dem 18. Geburtstag. Einkommen und Vermögen der Eltern spielen keine Rolle.

Geburtsjahrgang 2020 startet, ältere Kinder warten

Der Einstieg erfolgt kohortenweise: Zum Programmstart profitieren zunächst nur die Kinder, die 2026 sechs Jahre alt werden – also der Geburtsjahrgang 2020. Für sie ist eine Nachzahlung vorgesehen, die die Monate zwischen dem sechsten Geburtstag und dem tatsächlichen Programmstart abdeckt. In jedem Folgejahr kommt der nächste Sechsjährigen-Jahrgang hinzu. Kinder, die 2026 bereits älter als sechs sind, erhalten keine Prämie: Für sie können zwar Verträge abgeschlossen werden, eine staatliche Förderung sieht das Gesetz aber nicht vor. Das Eckpunktepapier hatte eine spätere Einbeziehung dieser Jahrgänge ab 2029 in Aussicht gestellt, im beschlossenen Gesetz ist sie nicht geregelt.

Geburtsjahrgang Alter 2026 Staatliche Prämie laut Gesetz
2020 6 Jahre Ja, mit Nachzahlung ab 2026
2021 5 Jahre Ab 2027, mit Vollendung des 6. Lebensjahres
2022 und jünger Unter 5 Jahre Jeweils ab Vollendung des 6. Lebensjahres
2009 bis 2019 7 bis 17 Jahre Keine – spätere Einbeziehung nicht gesetzlich geregelt

Kollektive Anlage bei der Bundesbank ohne Depotvertrag

Kinder verlieren ihren Anspruch nicht, wenn die Eltern untätig bleiben. Für alle anspruchsberechtigten Kinder ohne eigenen Depotvertrag erfolgt eine kollektive Anlage der Mittel in einem Sondervermögen, das die Deutsche Bundesbank verwaltet. Die Anlage startet zeitversetzt im Jahr nach dem siebten Geburtstag – für den Jahrgang 2020 also ab 2028 –, damit Eltern zunächst Zeit für einen eigenen Vertrag haben. Angelegt wird nach der beschlossenen Fassung ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds; diese Vorgabe hat der Finanzausschuss ergänzt. Das dafür vorgesehene Sondervermögen entsteht zum 1. Januar 2028.

Das kollektiv verwaltete Guthaben lässt sich später in einen individuellen Altersvorsorgevertrag überführen. Der Abruf ist quartalsweise bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres möglich – die begünstigte Person kann die Entscheidung also auch nach Eintritt der Volljährigkeit selbst treffen. Wer die Frist verstreichen lässt, verliert das Startkapital: Nicht abgerufene Mittel fließen nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Jahrgang das 35. Lebensjahr vollendet, an den Bundeshaushalt zurück. Identifizierbare Berechtigte müssen spätestens drei Monate vorher informiert werden.

Depot ohne Prämie für nicht berechtigte Jahrgänge

Für minderjährige Kinder ohne Prämienanspruch können Erziehungsberechtigte ebenfalls ein entsprechendes Depot eröffnen – allerdings auf Basis rein freiwilliger Zahlungen. Der steuerliche Vorteil der Ansparphase greift dabei, die staatlichen 10 Euro entfallen. Ob sich das gegenüber einem klassischen Junior-Depot lohnt, hängt vor allem an der Kapitalbindung bis zum Ruhestand.

Frühstart-Rente berechnen: was aus 10 Euro im Monat wird

Die Grundförderung beträgt über den vollen Zeitraum von zwölf Jahren 1.440 Euro. Entscheidend für das Endergebnis ist nicht diese Summe, sondern die Laufzeit: Zwischen dem 18. Geburtstag und der frühestmöglichen Auszahlung mit 65 liegen 47 weitere Jahre, in denen das Kapital ohne weitere Einzahlungen arbeitet.

Aus 1.440 Euro Förderung werden

53.000 €

Rechnung des Bundesfinanzministeriums bis zum Renteneintritt

Die Modellrechnung des Ministeriums geht von rund 2.200 Euro Depotwert zur Volljährigkeit aus. Rechnerisch entspricht das einer jährlichen Rendite von etwa 7 Prozent über die gesamte Laufzeit – eine optimistische, aber nicht unrealistische Annahme für ein global gestreutes Aktienportfolio. Eine bestimmte Rendite garantiert der Staat nicht. Fällt sie niedriger aus, sinkt das Ergebnis deutlich, weil sich der Zinseszinseffekt über fast sechs Jahrzehnte potenziert. Die folgenden Werte lassen Kosten und Inflation unberücksichtigt.

Jährliche Rendite Depotwert mit 18 Depotwert mit 65
4 Prozent 1.840 Euro 11.600 Euro
5 Prozent 1.950 Euro 19.400 Euro
6 Prozent 2.080 Euro 32.200 Euro
7 Prozent 2.220 Euro 53.300 Euro

Frühstart-Rente mit zusätzlichen Eigenbeiträgen

Der Hebel liegt bei den Eigenbeiträgen. Nach Berechnung des Bundesfinanzministeriums verdoppelt sich das Endkapital auf rund 107.000 Euro, wenn Eltern lediglich weitere 10 Euro monatlich beisteuern. Bei 50 Euro zusätzlich fließen über zwölf Jahre 8.640 Euro statt 1.440 Euro in das Depot; bei 6 Prozent Rendite ergibt das mit 18 Jahren rund 12.480 Euro und bis zum 65. Lebensjahr rechnerisch etwa 193.000 Euro.

Der Löwenanteil dieser Summen stammt damit aus privater Tasche, nicht aus der staatlichen Förderung. Die Prämie wirkt vor allem als Anstoß und als Kostenvorteil, weniger als eigenständige Vorsorge.

Altersvorsorgedepot: Regeln, Grenzen und Besteuerung

Das geförderte Depot unterliegt engen Verfügungsbeschränkungen. Eine Auszahlung ist grundsätzlich nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahres möglich – auch nicht für Studium, Immobilienkauf oder Notfälle. Mit dem 18. Geburtstag geht der Vertrag in ein reguläres Altersvorsorgedepot über, das die begünstigte Person eigenständig weiterführt oder in einen anderen zertifizierten Vertrag überträgt.

Merkmal Regelung laut Gesetz
Staatliche Prämie 10 Euro pro Monat, 120 Euro pro Jahr
Förderzeitraum Vollendung des 6. bis zum 18. Lebensjahr, maximal 12 Jahre
Grundförderung gesamt 1.440 Euro
Eigenbeiträge Bis 6.840 Euro pro Jahr durch Eltern oder Dritte; Prämie fließt nur in einen Vertrag
Abschluss- und Vertriebskosten Auf den Prämienteil bis zur Auszahlungsphase unzulässig, auf Eigenbeiträge erlaubt
Erträge in der Ansparphase Steuerfrei
Besteuerung der Auszahlung Volle nachgelagerte Besteuerung nach § 22 Nr. 5 EStG
Frühester Auszahlungszeitpunkt Vollendung des 65. Lebensjahres
Auszahlungsform Lebenslange Rente oder Plan mindestens bis zum 85. Lebensjahr
Kollektive Anlage ohne Vertrag Verwaltung durch die Bundesbank, nur globale Aktien, Abruf bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres
Vorzeitige Entnahme Gilt als schädliche Verwendung, Förderung ist zurückzuzahlen

Die Obergrenze von 6.840 Euro jährlich verhindert, dass das steuerbegünstigte Depot als allgemeines Vermögensvehikel genutzt wird. Ob sich über einen zweiten Vertrag weitere 6.840 Euro steuerbegünstigt anlegen lassen, ist nicht abschließend geklärt: Der Bundesrat wollte das ausschließen, die Bundesregierung hatte zugestimmt, die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses enthält dazu aber keine Änderung. Wer darüber hinaus für Kinder investieren möchte, ist auf die üblichen Wege verwiesen – der Überblick zu den Anlageoptionen 2026 ordnet die Alternativen ein. Für den langfristigen Vermögensaufbau kommen daneben Sachwerte in Betracht, etwa über die steuerlich wirksame Abschreibung einer Immobilie.

Kostenregeln als Schutz vor Gebührenfraß

Gefördert werden ausschließlich zertifizierte Verträge. Bis zum Beginn der Auszahlungsphase dürfen Anbieter auf den Vertragsteil, der auf der staatlichen Prämie beruht, weder Abschluss- noch Vertriebskosten erheben. Auf private Zuzahlungen sind solche Kosten nach der beschlossenen Fassung dagegen zulässig (cash.online). Diese Vorgabe adressiert ein bekanntes Problem geförderter Vorsorgeprodukte: Bei kleinen Sparbeträgen können Provisionen einen erheblichen Teil der Einzahlung aufzehren. Vermittlerverbände sehen darin allerdings das Risiko, dass Anbieter das Produkt kaum aktiv vertreiben.

Vollständig entwarnt ist damit nicht. Das Verbot erfasst nur Abschluss- und Vertriebskosten auf den Prämienteil; laufende Fonds- und Depotkosten bleiben erlaubt, und private Zuzahlungen können mit Vertriebskosten belastet werden. Bei einer Anlagedauer von rund sechs Jahrzehnten wirkt sich eine jährliche Gebührendifferenz von 0,5 Prozentpunkten massiv aus: Aus 32.200 Euro bei 6 Prozent würden bei effektiv 5,5 Prozent nur noch rund 25.000 Euro.

Frühstart-Rente beantragen: Was Eltern jetzt tun können

Ein Antrag auf die Förderung ist nicht erforderlich. Sobald das Gesetz in Kraft ist, eröffnen Eltern einen zertifizierten Depot-Vertrag bei einem Anbieter ihrer Wahl; beim Abschluss wird automatisch geprüft, ob ein Anspruch auf die Frühstart-Rente besteht, und die Förderung wird über den Anbieter abgewickelt. Bleiben Eltern untätig, greift die kollektive Anlage bei der Bundesbank – der Anspruch verfällt also nicht sofort, muss aber bis zum 35. Geburtstag des Kindes in einen eigenen Vertrag übertragen werden.

Sinnvoll ist die Vorbereitung: Anbieter, Kostenstrukturen und Fondsauswahl lassen sich vergleichen, sobald zertifizierte Produkte am Markt sind. Wer parallel ohnehin für ein Kind spart, kann ein reguläres Junior-Depot nutzen, das im Gegensatz dazu jederzeit verfügbar bleibt. Da die Förderung rückwirkend ab 2026 gutgeschrieben wird, entsteht dem berechtigten Jahrgang durch späteres Handeln kein Nachteil.

Frühstart-Rente: Sanduhr visualisiert Zeit und wachsendes Vermögen

Vergleich mit Junior-Depot und klassischen Sparformen

Der entscheidende Unterschied zu allen bestehenden Sparformen für Kinder liegt in der Verfügbarkeit. Ein Junior-Depot oder ein Kinder-Sparplan lässt sich mit dem 18. Geburtstag frei nutzen – für ein Studium, den Führerschein oder eine Anschubfinanzierung. Das geförderte Depot bleibt dagegen weitere 47 Jahre gesperrt. Diese Bindung ist der Preis für die staatliche Prämie und die Steuerfreiheit der Erträge in der Ansparphase.

Klassische Sparbücher und Ausbildungsversicherungen schneiden im Langfristvergleich schwächer ab. Bei einer Verzinsung von 1 Prozent würden aus 1.440 Euro Einzahlung über 59 Jahre rechnerisch rund 2.440 Euro – gegenüber etwa 32.200 Euro bei 6 Prozent Kapitalmarktrendite. Der Unterschied entsteht nicht durch die Sparrate, sondern durch die Anlageform und die Laufzeit. Wie stark das Zinsniveau solche Rechnungen verschiebt, ordnet der Beitrag zum Leitzins ein.

Kombination beider Wege

Beide Instrumente schließen sich nicht aus. Für den ersten anspruchsberechtigten Jahrgang liegt es nahe, die staatliche Prämie mitzunehmen und parallel ein frei verfügbares Junior-Depot für kurzfristigere Ziele zu besparen. Eigenbeiträge in das geförderte Depot erhöhen zwar das Endkapital erheblich, binden aber jeden eingezahlten Euro bis zum 65. Lebensjahr des Kindes. Wer diese Flexibilität braucht, sollte Eigenbeiträge eher niedrig halten und die freie Anlage bevorzugen.

Vor- und Nachteile der Frühstart-Rente

Die Bewertung fällt in der Fachdiskussion gemischt aus. Unstrittig ist der Zinseszinseffekt über sechs Jahrzehnte, kritisch gesehen werden die geringe Prämienhöhe, die lange Kapitalbindung und die Ausgestaltung der kollektiven Auffanglösung.

✅ Argumente dafür

Stärken des beschlossenen Gesetzes

  • +Zinseszins über rund sechs Jahrzehnte
  • +Anspruch auch ohne Zutun der Eltern
  • +Keine Vertriebskosten auf die Prämie
  • +Erträge der Ansparphase steuerfrei

⚠️ Argumente dagegen

Kritikpunkte am Gesetz

  • −Jahrgänge 2009 bis 2019 gehen leer aus
  • −Kapital bis zum 65. Lebensjahr gesperrt
  • −Kollektive Mittel verfallen ohne Abruf bis 35
  • −1.440 Euro schließen keine Rentenlücke
  • −Auszahlung wird voll besteuert

Die Einordnung fällt leichter im Vergleich zur bestehenden Versorgungslage: Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt deutlich unter dem letzten Nettoeinkommen. Ein Depotwert von 32.200 Euro entspräche bei einem Auszahlungsplan über 20 Jahre rund 134 Euro monatlich vor Steuern – ein Beitrag zur Lücke, aber keine Lösung.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Frühstart-Rente schon beschlossen?▼
Der Bundestag hat die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 beschlossen, in der vom Finanzausschuss geänderten Fassung. Dafür stimmten CDU/CSU und SPD, Grüne und Linke stimmten dagegen, die AfD enthielt sich. Weil das Gesetz zustimmungsbedürftig ist, muss noch der Bundesrat zustimmen. Das Inkrafttreten ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen, die Förderung soll rückwirkend ab 2026 greifen.
Ab wann gilt die Frühstart-Rente und für welche Kinder?▼
Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, gefördert wird rückwirkend ab 2026. Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020, also die Kinder, die 2026 sechs Jahre alt werden; sie erhalten eine Nachzahlung für die Monate vor dem Programmstart. In jedem Folgejahr kommt der Jahrgang hinzu, der das sechste Lebensjahr vollendet. Für ältere Kinder sieht das Gesetz keine staatliche Förderung vor.
Kann ich schon jetzt ein Depot für die Frühstart-Rente eröffnen?▼
Ein Depot mit staatlicher Prämie lässt sich noch nicht eröffnen. Zertifizierte Altersvorsorgedepots gibt es erst, wenn das Gesetz nach Zustimmung des Bundesrates in Kraft getreten ist. Wer schon jetzt für ein Kind sparen möchte, kann ein reguläres Junior-Depot nutzen. Für den Jahrgang 2020 entsteht durch das Warten kein Nachteil, da die Prämie rückwirkend ab 2026 gutgeschrieben wird.
Was passiert, wenn Eltern kein Depot eröffnen?▼
Der Anspruch bleibt zunächst bestehen. Für Kinder ohne eigenen Depotvertrag legt die Deutsche Bundesbank die Mittel kollektiv am Kapitalmarkt an, ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds. Die Anlage beginnt im Jahr nach dem siebten Geburtstag. Das Guthaben lässt sich quartalsweise bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres in einen individuellen Altersvorsorgevertrag überführen; danach fließt es an den Bundeshaushalt zurück.
Wie viel Geld kommt am Ende zusammen?▼
Die staatliche Grundförderung beträgt 1.440 Euro über zwölf Jahre. Nach Rechnung des Bundesfinanzministeriums entsteht daraus bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro und bis zum Renteneintritt etwa 53.000 Euro. Diese Zahlen unterstellen rechnerisch rund 7 Prozent Rendite pro Jahr. Bei 6 Prozent wären es etwa 32.200 Euro, bei 4 Prozent rund 11.600 Euro. Kosten und Inflation sind nicht berücksichtigt.
Wann ist eine Auszahlung möglich?▼
Eine Auszahlung ist grundsätzlich erst ab Vollendung des 65. Lebensjahres möglich und nur als Altersleistung – entweder als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Eine vorzeitige Entnahme gilt als schädliche Verwendung und löst die Rückzahlung der Förderung aus. Die Auszahlungsbeträge werden nach § 22 Nummer 5 EStG voll besteuert.
Wie hoch dürfen eigene Einzahlungen ausfallen?▼
Eltern, Großeltern und andere Dritte können bis zu 6.840 Euro pro Jahr zusätzlich einzahlen. Zusammen mit der staatlichen Prämie von 120 Euro ergibt das eine maximale Jahreseinzahlung von 6.960 Euro. Die staatliche Prämie fließt immer nur in einen einzigen Vertrag pro Kind. Auch die Eigenbeiträge unterliegen der Sperre bis zum 65. Lebensjahr.

🎯 Fazit

Die Frühstart-Rente ist auf der Zielgeraden: Der Bundestag hat das Gesetz am 16. Oktober 2026 beschlossen, nur die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus. Die Grundzüge stehen fest – 10 Euro monatlich, Start mit Jahrgang 2020, kollektive Anlage in globalen Aktien bei der Bundesbank und ein Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten auf die Prämie bis zur Auszahlung. Auf private Zuzahlungen dürfen Anbieter dagegen Kosten erheben, was den Vergleich der Angebote wichtiger macht. Die staatlichen 1.440 Euro allein bleiben überschaubar; der eigentliche Hebel liegt bei den Eigenbeiträgen bis 6.840 Euro jährlich. Wer diese nutzt, sollte die Bindung bis zum 65. Lebensjahr einkalkulieren – und wer kein Depot eröffnet, muss das Startkapital spätestens bis zum 35. Geburtstag abrufen.

Quellenverzeichnis

Offizielle Quellen

Deutscher Bundestag – Bundestag beschließt die Frühstartrente (16.10.2026)

bundestag.de/textarchiv/2026/kw42-de-fruehstartrente

Deutscher Bundestag – Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzausschusses, Drucksache 21/8606

dserver.bundestag.de/btd/21/086/2108606.pdf

Deutscher Bundestag – Öffentliche Anhörung des Finanzausschusses zur Frühstartrente (05.10.2026)

bundestag.de/textarchiv/2026/kw41-pa-finanzen-fruehstart

Deutscher Bundestag – Einführung einer Frühstartrente für Sechs- bis Achtzehnjährige beraten (25.09.2026)

bundestag.de/textarchiv/2026/kw39-de-fruehstartrente

Deutscher Bundestag – Gesetzentwurf der Bundesregierung, Drucksache 21/7864

dserver.bundestag.de/btd/21/078/2107864.pdf

Deutscher Bundestag – Stellungnahme des Bundesrates und Gegenäußerung der Bundesregierung, Drucksache 21/8296

dserver.bundestag.de/btd/21/082/2108296.pdf

Bundesministerium der Finanzen – Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Frühstartrente

bundesfinanzministerium.de/2026-07-21-FruehStRG

Bundesministerium der Finanzen – Monatsbericht September 2026: Frühstartrente

bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/2026/09/fruehstartrente

Bundesministerium der Finanzen – Fragen und Antworten zur Frühstartrente

bundesfinanzministerium.de/FAQ/fruehstart-rente

Bundesregierung – Kabinett beschließt Eckpunkte für die Frühstart-Rente (17.12.2025)

bundesregierung.de/kabinett-fruehstart-rente

Analysen und Verbraucherinformationen

cash.online – So funktioniert die neue Frühstartrente für Kinder (16.10.2026)

cash-online.de/a/so-funktioniert-die-neue-fruehstartrente-fuer-kinder

NWB Experten-Blog – Update Frühstartrente: Kommt es zu Einschnitten bei der staatlichen Förderung? (05.10.2026)

nwb-experten-blog.de/update-fruehstartrente

Stiftung Warentest – Altersvorsorge für Kinder: 10 Euro pro Monat für die Frühstartrente

test.de/Altersvorsorge-fuer-Kinder-Fruehstartrente

KPMG – Frühstartrente: Eckpunkte und Ausgestaltung

kpmg.com/de/themen/2025/12/fruehstartrente