Der Bundestag hat die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 beschlossen: Das Frühstartrentengesetz passierte das Parlament in der vom Finanzausschuss geänderten Fassung. Dafür stimmten CDU/CSU und SPD, Grüne und Linke stimmten dagegen, die AfD enthielt sich. Geltendes Recht wird das Vorhaben erst mit der Zustimmung des Bundesrates. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, die Förderung rückwirkend ab 2026 greifen.
Vorgesehen ist eine staatliche Prämie von 10 Euro pro Monat für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr, angelegt in einem kapitalgedeckten Altersvorsorgedepot. Über zwölf Jahre summiert sich die Grundförderung auf 1.440 Euro. Nach der Rechnung des Bundesfinanzministeriums entsteht daraus bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro, aus dem bis zum Renteneintritt ohne weitere Einzahlungen etwa 53.000 Euro werden können. Vor der Abstimmung hat der Finanzausschuss den Entwurf nachgeschärft: Die kollektive Anlage fließt ausschließlich in breit gestreute globale Aktien, und das Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten gilt bis zur Auszahlungsphase, allerdings nur für den Teil aus der staatlichen Prämie. Dieser Beitrag ordnet den Verfahrensstand, die Anspruchsvoraussetzungen und die Rechengrößen ein.
📌 Das Wichtigste in Kürze
- •Der Bundestag hat die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 beschlossen, der Bundesrat muss noch zustimmen.
- •Der Bund zahlt 10 Euro monatlich vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr, insgesamt 1.440 Euro pro Kind.
- •Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, gefördert wird rückwirkend ab 2026 beginnend mit Geburtsjahrgang 2020.
- •Eröffnen Eltern kein Depot, legt die Deutsche Bundesbank die Mittel kollektiv und global diversifiziert an – abrufbar bis zum 35. Geburtstag.
- •Eine Auszahlung ist erst ab Vollendung des 65. Lebensjahres möglich, Eigenbeiträge sind bis 6.840 Euro jährlich zulässig.
- •Die kollektive Anlage fließt ausschließlich in globale Aktien, Vertriebskosten auf die Prämie sind bis zur Auszahlung verboten.
Was die Frühstart-Rente ist
Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot für Kinder, in das der Bund monatlich 10 Euro einzahlt. Das Geld fließt nicht auf ein Girokonto, sondern wird am Kapitalmarkt angelegt. Zuständig für die Verwaltung sind private Anbieter – Banken, Versicherer oder andere zertifizierte Institute, die Eltern frei wählen können.
Definition: Frühstart-Rente
Staatliche Prämie von 10 Euro pro Monat, die vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr in ein individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot fließt. Rechtsgrundlage ist das Frühstartrentengesetz (FrühStRG). Der Bundestag hat das Gesetz am 16. Oktober 2026 in der Fassung der Beschlussempfehlung des Finanzausschusses (Drucksache 21/8606) beschlossen, die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus.
Der erklärte Zweck geht über den reinen Vermögensaufbau hinaus. Nach den Worten von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil soll die Vorsorge weniger stark vom Elternhaus abhängen als bisher. Das Modell ergänzt damit die bestehenden Säulen der Altersvorsorge, ersetzt sie aber nicht.
Aktueller Stand der Frühstart-Rente: Bundestag hat beschlossen
Nach dem Kabinettsbeschluss vom 12. August 2026 und der ersten Lesung am 25. September hat der Bundestag die Frühstart-Rente am 16. Oktober 2026 in zweiter und dritter Lesung beschlossen. Grundlage war die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses vom 14. Oktober 2026 (Drucksache 21/8606), der am 5. Oktober eine öffentliche Anhörung durchgeführt hatte. Dafür stimmten CDU/CSU und SPD, Grüne und Linke stimmten dagegen, die AfD enthielt sich.
Bis zum geplanten Inkrafttreten am 1. Januar 2027 fehlt noch die Zustimmung des Bundesrates. Das Gesetz ist zustimmungsbedürftig: Es tritt nur in Kraft, wenn die Länderkammer zustimmt; ruft sie den Vermittlungsausschuss an, verschiebt sich der Zeitplan.
🚀 Zeitplan des Gesetzgebungsverfahrens
2025
Ankündigung im Koalitionsvertrag
CDU, CSU und SPD vereinbaren eine staatliche Vorsorgeprämie für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr.
17.12.2025
Kabinett beschließt Eckpunkte
Das Eckpunktepapier legt Prämienhöhe, Förderzeitraum und den Start mit dem Geburtsjahrgang 2020 fest.
21.07.2026
Referentenentwurf des Frühstartrentengesetzes
Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht den Entwurf und startet die Ressortabstimmung.
12.08.2026
Bundeskabinett beschließt den Gesetzentwurf
Der Regierungsentwurf geht in das parlamentarische Verfahren. Neu enthalten sind die kollektive Anlage und ein Kostendeckel.
07.09.2026
Gesetzentwurf als Bundestagsdrucksache
Der Regierungsentwurf wird dem Bundestag als Drucksache 21/7864 zugeleitet.
25.09.2026
Erste Lesung im Bundestag
Nach der Aussprache wird der Entwurf an die Ausschüsse überwiesen, federführend ist der Finanzausschuss.
30.09.2026
Stellungnahme des Bundesrates und Gegenäußerung
Der Bundesrat fordert Änderungen bei Eigenbeiträgen und kollektiver Anlage. Die Bundesregierung stimmt teilweise zu (Drucksache 21/8296).
05.10.2026
Öffentliche Anhörung im Finanzausschuss
Sachverständige aus Finanzwirtschaft, Verbraucherschutz und Wissenschaft bewerten den Entwurf.
16.10.2026
Bundestag beschließt das Gesetz
Annahme in der vom Finanzausschuss geänderten Fassung (Drucksache 21/8606) mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD.
bis Ende 2026
Zustimmung des Bundesrates
Das Gesetz ist zustimmungsbedürftig und wird erst mit dem Votum der Länderkammer verbindlich.
01.01.2027
Geplantes Inkrafttreten
Die Einzahlungen in die Depots beginnen. Der Jahrgang 2020 erhält eine Nachzahlung für die Monate ab 2026.
Was der Finanzausschuss geändert hat
Der Finanzausschuss hat den Regierungsentwurf in mehreren Punkten geändert. Die wichtigste Änderung betrifft die kollektive Anlage: Die Mittel sind ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds anzulegen, damit mit der Anlage keine anderen politischen Ziele verfolgt werden. Außerdem gilt das Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten bis zum Beginn der Auszahlungsphase, allerdings nur für den Vertragsteil, der auf der staatlichen Prämie beruht; auf private Zuzahlungen dürfen Anbieter Kosten erheben.
Neu sind zudem zwei Schutzregeln: Stirbt das Kind vor dem 18. Geburtstag, muss die Prämie nicht zurückgezahlt werden. Und bevor nicht abgerufene Mittel aus der kollektiven Anlage an den Bundeshaushalt zurückfließen, müssen identifizierbare Berechtigte spätestens drei Monate vorher informiert werden. Damit greift der Bundestag einen Teil der Vorschläge des Bundesrates auf. Dessen Forderung, Eigenbeiträge auf einen zweiten Vertrag von der Steuerbegünstigung auszunehmen, findet sich in der Beschlussempfehlung nicht; unverändert bleibt, dass die staatliche Prämie nur in einen Vertrag fließt.
Kritik von Verbänden und Wissenschaft
Auch außerhalb des Parlaments gibt es Kritik. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) kritisiert die Ausgestaltung als beratungsfreies Standardprodukt und fordert, alle Kinder zwischen sechs und 18 Jahren einzubeziehen statt erst ab Jahrgang 2020. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) möchte neben Standarddepots auch individuelle Altersvorsorgedepots zulassen, hält das Verbot von Vertriebskosten für riskant und plädiert für ein offenes Vergabeverfahren statt der Bundesbank als Auffanglösung. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts SAFE hatten bemängelt, dass die Anlagestrategie der kollektiven Lösung erst per Richtlinie festgelegt werden sollte; inzwischen schreibt das Gesetz eine reine Aktienanlage vor. In der Anhörung des Finanzausschusses am 5. Oktober 2026 hielt der Verbraucherzentrale Bundesverband die möglichen Eigenbeiträge von 6.840 Euro jährlich für zu hoch, weil sie Vermögensunterschiede verstärken; die Deutsche Kreditwirtschaft lehnte das Verbot von Vertriebskosten ab.
Noch kein geltendes Recht
Sämtliche Zahlen und Regelungen in diesem Beitrag geben die vom Bundestag am 16. Oktober 2026 beschlossene Fassung wieder (Stand: Oktober 2026). In Kraft tritt das Gesetz erst nach Zustimmung des Bundesrates. Ein Altersvorsorgedepot mit staatlicher Prämie lässt sich derzeit nicht eröffnen, da zertifizierte Produkte erst zum Inkrafttreten verfügbar sein werden.
Wer Anspruch auf die Frühstart-Rente für Kinder hat
Anspruchsberechtigt sind Kinder ab Vollendung des sechsten Lebensjahres, die ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben und hier eine Schule oder andere Bildungseinrichtung besuchen. Die Prämie wird für volle Monate gezahlt und endet spätestens mit dem Monat vor dem 18. Geburtstag. Einkommen und Vermögen der Eltern spielen keine Rolle.
Geburtsjahrgang 2020 startet, ältere Kinder warten
Der Einstieg erfolgt kohortenweise: Zum Programmstart profitieren zunächst nur die Kinder, die 2026 sechs Jahre alt werden – also der Geburtsjahrgang 2020. Für sie ist eine Nachzahlung vorgesehen, die die Monate zwischen dem sechsten Geburtstag und dem tatsächlichen Programmstart abdeckt. In jedem Folgejahr kommt der nächste Sechsjährigen-Jahrgang hinzu. Kinder, die 2026 bereits älter als sechs sind, erhalten keine Prämie: Für sie können zwar Verträge abgeschlossen werden, eine staatliche Förderung sieht das Gesetz aber nicht vor. Das Eckpunktepapier hatte eine spätere Einbeziehung dieser Jahrgänge ab 2029 in Aussicht gestellt, im beschlossenen Gesetz ist sie nicht geregelt.
Kollektive Anlage bei der Bundesbank ohne Depotvertrag
Kinder verlieren ihren Anspruch nicht, wenn die Eltern untätig bleiben. Für alle anspruchsberechtigten Kinder ohne eigenen Depotvertrag erfolgt eine kollektive Anlage der Mittel in einem Sondervermögen, das die Deutsche Bundesbank verwaltet. Die Anlage startet zeitversetzt im Jahr nach dem siebten Geburtstag – für den Jahrgang 2020 also ab 2028 –, damit Eltern zunächst Zeit für einen eigenen Vertrag haben. Angelegt wird nach der beschlossenen Fassung ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds; diese Vorgabe hat der Finanzausschuss ergänzt. Das dafür vorgesehene Sondervermögen entsteht zum 1. Januar 2028.
Das kollektiv verwaltete Guthaben lässt sich später in einen individuellen Altersvorsorgevertrag überführen. Der Abruf ist quartalsweise bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres möglich – die begünstigte Person kann die Entscheidung also auch nach Eintritt der Volljährigkeit selbst treffen. Wer die Frist verstreichen lässt, verliert das Startkapital: Nicht abgerufene Mittel fließen nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Jahrgang das 35. Lebensjahr vollendet, an den Bundeshaushalt zurück. Identifizierbare Berechtigte müssen spätestens drei Monate vorher informiert werden.
Depot ohne Prämie für nicht berechtigte Jahrgänge
Für minderjährige Kinder ohne Prämienanspruch können Erziehungsberechtigte ebenfalls ein entsprechendes Depot eröffnen – allerdings auf Basis rein freiwilliger Zahlungen. Der steuerliche Vorteil der Ansparphase greift dabei, die staatlichen 10 Euro entfallen. Ob sich das gegenüber einem klassischen Junior-Depot lohnt, hängt vor allem an der Kapitalbindung bis zum Ruhestand.
Frühstart-Rente berechnen: was aus 10 Euro im Monat wird
Die Grundförderung beträgt über den vollen Zeitraum von zwölf Jahren 1.440 Euro. Entscheidend für das Endergebnis ist nicht diese Summe, sondern die Laufzeit: Zwischen dem 18. Geburtstag und der frühestmöglichen Auszahlung mit 65 liegen 47 weitere Jahre, in denen das Kapital ohne weitere Einzahlungen arbeitet.
Aus 1.440 Euro Förderung werden
53.000 €
Rechnung des Bundesfinanzministeriums bis zum Renteneintritt
Die Modellrechnung des Ministeriums geht von rund 2.200 Euro Depotwert zur Volljährigkeit aus. Rechnerisch entspricht das einer jährlichen Rendite von etwa 7 Prozent über die gesamte Laufzeit – eine optimistische, aber nicht unrealistische Annahme für ein global gestreutes Aktienportfolio. Eine bestimmte Rendite garantiert der Staat nicht. Fällt sie niedriger aus, sinkt das Ergebnis deutlich, weil sich der Zinseszinseffekt über fast sechs Jahrzehnte potenziert. Die folgenden Werte lassen Kosten und Inflation unberücksichtigt.
Frühstart-Rente mit zusätzlichen Eigenbeiträgen
Der Hebel liegt bei den Eigenbeiträgen. Nach Berechnung des Bundesfinanzministeriums verdoppelt sich das Endkapital auf rund 107.000 Euro, wenn Eltern lediglich weitere 10 Euro monatlich beisteuern. Bei 50 Euro zusätzlich fließen über zwölf Jahre 8.640 Euro statt 1.440 Euro in das Depot; bei 6 Prozent Rendite ergibt das mit 18 Jahren rund 12.480 Euro und bis zum 65. Lebensjahr rechnerisch etwa 193.000 Euro.
Der Löwenanteil dieser Summen stammt damit aus privater Tasche, nicht aus der staatlichen Förderung. Die Prämie wirkt vor allem als Anstoß und als Kostenvorteil, weniger als eigenständige Vorsorge.
Altersvorsorgedepot: Regeln, Grenzen und Besteuerung
Das geförderte Depot unterliegt engen Verfügungsbeschränkungen. Eine Auszahlung ist grundsätzlich nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahres möglich – auch nicht für Studium, Immobilienkauf oder Notfälle. Mit dem 18. Geburtstag geht der Vertrag in ein reguläres Altersvorsorgedepot über, das die begünstigte Person eigenständig weiterführt oder in einen anderen zertifizierten Vertrag überträgt.
Die Obergrenze von 6.840 Euro jährlich verhindert, dass das steuerbegünstigte Depot als allgemeines Vermögensvehikel genutzt wird. Ob sich über einen zweiten Vertrag weitere 6.840 Euro steuerbegünstigt anlegen lassen, ist nicht abschließend geklärt: Der Bundesrat wollte das ausschließen, die Bundesregierung hatte zugestimmt, die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses enthält dazu aber keine Änderung. Wer darüber hinaus für Kinder investieren möchte, ist auf die üblichen Wege verwiesen – der Überblick zu den Anlageoptionen 2026 ordnet die Alternativen ein. Für den langfristigen Vermögensaufbau kommen daneben Sachwerte in Betracht, etwa über die steuerlich wirksame Abschreibung einer Immobilie.
Kostenregeln als Schutz vor Gebührenfraß
Gefördert werden ausschließlich zertifizierte Verträge. Bis zum Beginn der Auszahlungsphase dürfen Anbieter auf den Vertragsteil, der auf der staatlichen Prämie beruht, weder Abschluss- noch Vertriebskosten erheben. Auf private Zuzahlungen sind solche Kosten nach der beschlossenen Fassung dagegen zulässig (cash.online). Diese Vorgabe adressiert ein bekanntes Problem geförderter Vorsorgeprodukte: Bei kleinen Sparbeträgen können Provisionen einen erheblichen Teil der Einzahlung aufzehren. Vermittlerverbände sehen darin allerdings das Risiko, dass Anbieter das Produkt kaum aktiv vertreiben.
Vollständig entwarnt ist damit nicht. Das Verbot erfasst nur Abschluss- und Vertriebskosten auf den Prämienteil; laufende Fonds- und Depotkosten bleiben erlaubt, und private Zuzahlungen können mit Vertriebskosten belastet werden. Bei einer Anlagedauer von rund sechs Jahrzehnten wirkt sich eine jährliche Gebührendifferenz von 0,5 Prozentpunkten massiv aus: Aus 32.200 Euro bei 6 Prozent würden bei effektiv 5,5 Prozent nur noch rund 25.000 Euro.
Frühstart-Rente beantragen: Was Eltern jetzt tun können
Ein Antrag auf die Förderung ist nicht erforderlich. Sobald das Gesetz in Kraft ist, eröffnen Eltern einen zertifizierten Depot-Vertrag bei einem Anbieter ihrer Wahl; beim Abschluss wird automatisch geprüft, ob ein Anspruch auf die Frühstart-Rente besteht, und die Förderung wird über den Anbieter abgewickelt. Bleiben Eltern untätig, greift die kollektive Anlage bei der Bundesbank – der Anspruch verfällt also nicht sofort, muss aber bis zum 35. Geburtstag des Kindes in einen eigenen Vertrag übertragen werden.
Sinnvoll ist die Vorbereitung: Anbieter, Kostenstrukturen und Fondsauswahl lassen sich vergleichen, sobald zertifizierte Produkte am Markt sind. Wer parallel ohnehin für ein Kind spart, kann ein reguläres Junior-Depot nutzen, das im Gegensatz dazu jederzeit verfügbar bleibt. Da die Förderung rückwirkend ab 2026 gutgeschrieben wird, entsteht dem berechtigten Jahrgang durch späteres Handeln kein Nachteil.

Vergleich mit Junior-Depot und klassischen Sparformen
Der entscheidende Unterschied zu allen bestehenden Sparformen für Kinder liegt in der Verfügbarkeit. Ein Junior-Depot oder ein Kinder-Sparplan lässt sich mit dem 18. Geburtstag frei nutzen – für ein Studium, den Führerschein oder eine Anschubfinanzierung. Das geförderte Depot bleibt dagegen weitere 47 Jahre gesperrt. Diese Bindung ist der Preis für die staatliche Prämie und die Steuerfreiheit der Erträge in der Ansparphase.
Klassische Sparbücher und Ausbildungsversicherungen schneiden im Langfristvergleich schwächer ab. Bei einer Verzinsung von 1 Prozent würden aus 1.440 Euro Einzahlung über 59 Jahre rechnerisch rund 2.440 Euro – gegenüber etwa 32.200 Euro bei 6 Prozent Kapitalmarktrendite. Der Unterschied entsteht nicht durch die Sparrate, sondern durch die Anlageform und die Laufzeit. Wie stark das Zinsniveau solche Rechnungen verschiebt, ordnet der Beitrag zum Leitzins ein.
Kombination beider Wege
Beide Instrumente schließen sich nicht aus. Für den ersten anspruchsberechtigten Jahrgang liegt es nahe, die staatliche Prämie mitzunehmen und parallel ein frei verfügbares Junior-Depot für kurzfristigere Ziele zu besparen. Eigenbeiträge in das geförderte Depot erhöhen zwar das Endkapital erheblich, binden aber jeden eingezahlten Euro bis zum 65. Lebensjahr des Kindes. Wer diese Flexibilität braucht, sollte Eigenbeiträge eher niedrig halten und die freie Anlage bevorzugen.
Vor- und Nachteile der Frühstart-Rente
Die Bewertung fällt in der Fachdiskussion gemischt aus. Unstrittig ist der Zinseszinseffekt über sechs Jahrzehnte, kritisch gesehen werden die geringe Prämienhöhe, die lange Kapitalbindung und die Ausgestaltung der kollektiven Auffanglösung.
✅ Argumente dafür
Stärken des beschlossenen Gesetzes
- +Zinseszins über rund sechs Jahrzehnte
- +Anspruch auch ohne Zutun der Eltern
- +Keine Vertriebskosten auf die Prämie
- +Erträge der Ansparphase steuerfrei
⚠️ Argumente dagegen
Kritikpunkte am Gesetz
- −Jahrgänge 2009 bis 2019 gehen leer aus
- −Kapital bis zum 65. Lebensjahr gesperrt
- −Kollektive Mittel verfallen ohne Abruf bis 35
- −1.440 Euro schließen keine Rentenlücke
- −Auszahlung wird voll besteuert
Die Einordnung fällt leichter im Vergleich zur bestehenden Versorgungslage: Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt deutlich unter dem letzten Nettoeinkommen. Ein Depotwert von 32.200 Euro entspräche bei einem Auszahlungsplan über 20 Jahre rund 134 Euro monatlich vor Steuern – ein Beitrag zur Lücke, aber keine Lösung.
Häufig gestellte Fragen
🎯 Fazit
Die Frühstart-Rente ist auf der Zielgeraden: Der Bundestag hat das Gesetz am 16. Oktober 2026 beschlossen, nur die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus. Die Grundzüge stehen fest – 10 Euro monatlich, Start mit Jahrgang 2020, kollektive Anlage in globalen Aktien bei der Bundesbank und ein Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten auf die Prämie bis zur Auszahlung. Auf private Zuzahlungen dürfen Anbieter dagegen Kosten erheben, was den Vergleich der Angebote wichtiger macht. Die staatlichen 1.440 Euro allein bleiben überschaubar; der eigentliche Hebel liegt bei den Eigenbeiträgen bis 6.840 Euro jährlich. Wer diese nutzt, sollte die Bindung bis zum 65. Lebensjahr einkalkulieren – und wer kein Depot eröffnet, muss das Startkapital spätestens bis zum 35. Geburtstag abrufen.
Quellenverzeichnis
Offizielle Quellen
Deutscher Bundestag – Bundestag beschließt die Frühstartrente (16.10.2026)
Deutscher Bundestag – Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzausschusses, Drucksache 21/8606
Deutscher Bundestag – Öffentliche Anhörung des Finanzausschusses zur Frühstartrente (05.10.2026)
Deutscher Bundestag – Einführung einer Frühstartrente für Sechs- bis Achtzehnjährige beraten (25.09.2026)
Deutscher Bundestag – Gesetzentwurf der Bundesregierung, Drucksache 21/7864
Deutscher Bundestag – Stellungnahme des Bundesrates und Gegenäußerung der Bundesregierung, Drucksache 21/8296
Bundesministerium der Finanzen – Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Frühstartrente
Bundesministerium der Finanzen – Monatsbericht September 2026: Frühstartrente
bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/2026/09/fruehstartrente
Bundesministerium der Finanzen – Fragen und Antworten zur Frühstartrente
Bundesregierung – Kabinett beschließt Eckpunkte für die Frühstart-Rente (17.12.2025)
Analysen und Verbraucherinformationen
cash.online – So funktioniert die neue Frühstartrente für Kinder (16.10.2026)
cash-online.de/a/so-funktioniert-die-neue-fruehstartrente-fuer-kinder
NWB Experten-Blog – Update Frühstartrente: Kommt es zu Einschnitten bei der staatlichen Förderung? (05.10.2026)
Stiftung Warentest – Altersvorsorge für Kinder: 10 Euro pro Monat für die Frühstartrente
KPMG – Frühstartrente: Eckpunkte und Ausgestaltung




